Transition Town Bewegung und Grundeinkommen, Teil 1: Prinzipien der Bewegung und erste Verknüpfung

begehbar @ TransitionGut Ding will Weile haben. Ein Euro ins Phrasenschwein. Oder doch lieber ein Jahr lang ein Grundeinkommen? Nein, das überlass ich Michael Bohmeyer. Den Namen kennt Ihr vielleicht. Der Berliner steckt hinter der Crowdfunding-Kampagne „Mein Grundeinkommen“ und verlost am Samstag zum fünften Mal 12.000 Euro verteilt auf zwölf Monate. An der Verlosung teilnehmen kann jeder. Ihr müsst euch nur auf mein-grundeinkommen.de anmelden. Und zwar schnell! Denn die Anmeldung ist nur noch bis Freitag, 14.11., 23:59 Uhr möglich.

Nun ist ein auf ein Jahr beschränktes Grundeinkommen nicht im engeren Sinne bedingungslos. Doch man könnte damit ausprobieren, wie es ist, mit Grundeinkommen zu leben; ohne sich Sorgen machen zu müssen, woher das Geld zum Monatsanfang kommt, sinnvoll tätig werden und damit die Lebenszufriedenheit steigern.

„Sinnvoll tätig werden“ ist das Stichwort, wenn es um die Transition Town Bewegung geht. Und mit der hat auch das gut Ding, das Weile haben will, zu tun. Wie bereits angekündigt, darf ich am kommenden Montag, den 17.11. im Plenum der Bamberger Transition Initiative einen Kurzvortrag über das Bedingungslose Grundeinkommen halten und damit die Transitioner von der Sache begeistern. Mit diesem Schritt wird aus meiner privaten ersten Initiative für eine Bamberger Grundeinkommensinitiative, wie ich es in der Beschreibung der Idee dieser Seite formuliert habe, (hoffentlich) etwas mehr. Um erklären zu können, wie sich das entwickeln könnte, muss ich an dieser Stelle wohl aufklären, was die Transition Town Bewegung ist. Denn meine persönliche Erfahrung ist, dass davon noch gar nicht so viele gehört haben.

Wer des Englischen mächtig ist, wird sich schon hergeleitet haben, dass es sich hier wohl um eine Bewegung von Städten im Wandel handelt. Jetzt könnte ich noch darlegen, was aus sozialwissenschaftlicher Sicht eine Bewegung ist. War u.a. Thema in meinem aktuell laufenden Staatsexamen. Aber in diesem Fall lasse ich Wissenschaft mal außen vor. Bleibt die Frage, um welchen Wandel es den Transition Towns geht.

Während das Grundeinkommen nicht eindeutig in eine (partei-)politische Ecke gestellt werden kann (auch wenn viele meinen, es sei eine kommunisitische Idee, was faktisch falsch ist), ist Transition Town dann doch recht eindeutig ein grünes Thema. Damit möchte ich aber nicht behaupten, dass alle Transitioner grün wählen. Denn auch das wäre faktisch falsch. Doch der Hintergrund der Bewegung ist der Klimawandel, der bevorstehende „Peak Oil“ (das Erreichen des globalen Ölfördermaximums und damit verbunden die Notwendigkeit, zukünftig auf andere Energieträger umzusteigen) und die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger weltweit auf die Umstände nicht angemessen reagieren können oder wollen. Im konkreten Fall Deutschlands äußert sich das in der schleppenden Umsetzung der Energiewende, in deren Zusammenhang nun wieder Kohle als sogenannte Brückentechnologie diskutiert wird. Transition Towns nehmen sich daher der Sache selbst an, werden auf kommunaler Ebene tätig, den Übergang in eine postfossile und relokalisierte Wirtschaft zu gestalten. Wie genau das im Einzelnen aussehen kann, werde ich später noch in Teil 2 des Beitrags erläutern.

Ihren Ursprung hat die Bewegung auf der „grünen Insel“ Irland, genauer in Kinsale. Rob Hopkins, Dozent am dortigen College, gilt als deren Begründer. Mit Studenten entwickelte er eine Strategie, die Stadt unabhängiger von Industrieprodukten zu machen, ihren Energieverbrauch zu reduzieren und die Kommune insgesamt widerstandsfähiger gegen äußere Störungen zu machen. Eine solche Störung wäre beispielsweise das extreme Ansteigen von Energiekosten auf Grund der knapp werdenden Ressourcen. Im Fachjargon spricht man hier von Resilienz. Dieser Begriff wurde ursprünglich vor allem in Zusammenhang mit Ökosystemen verwendet, ist aber auch aus der Psychologie bekannt und wird nicht zuletzt auch auf Grund der Transition Town Bewegung zunehmend auf soziale Systeme, also zum Beispiel eben auf Städte und Kommunen bezogen.

Resilienz spielt auch in der Permakultur eine zentrale Rolle. Noch so ein Begriff… aber eben auch ein ganz zentraler Bezugsrahmen für die Tätigkeiten von Transition Towns. Ich zitiere aus Wikipedia: „Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden, nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt. Ursprünglich für die Landwirtschaft entwickelt, ist sie inzwischen ein Denkprinzip, das auch Bereiche wie Energieversorgung, Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen umfasst.“ Schaut man sich die Leitsätze dieses Prinzips an, kommen wir dem Bezug zum Bedingungslosen Grundeinkommen langsam aber sicher näher: „langfristig statt kurzfristig“, „Vielfalt statt Einfalt“, „(Nachhaltige) Optimierung statt (kurzfristige) Maximierung“ und „Kooperation statt Konkurrenz“. Diese Prinzipien könnte man nun in aller Ausführlichkeit erläutern, was sicher auch spannend wäre, doch das würde hier zu weit führen.

Viel eher interessiert die Frage, wieso denn nun das BGE ein Thema für die Transition Town Bewegung allgemein und die Bamberger Transition Town Initiative speziell sein sollte. Die Antwort steckt (auch) in oben geschriebenen Sätzen. Noch einmal zur Vergegenwärtigung: ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist eine Existenz- und Teilhabesicherung, auf die jeder Mensch unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen, Vermögen etc. einen Rechtsanspruch  haben sollte, ohne dass er dafür einen Antrag stellen oder gar seine Bedürftigkeit nachweisen müsste. Damit macht es die oder den Einzelne*n widerstandsfähig/resilient bei Verlust der Erwerbsarbeitsstelle, bei längerfristiger Krankheit, in Zeiten von familiären Verpflichtungen wie Erziehung und Pflege, beruflicher Neuorientierung oder Weiterbildung etc. pp. In all diesen Fällen steht man unter Umständen nicht „nur“ vor der existenziellen Frage der materiellen Sicherung, sondern ist auf seine körperlichen, emotionalen und geistigen Ressourcen angewiesen, um die jeweilige Herausforderung bewältigen zu können. Der Nachweis von Bedürftigkeit, die Auseinandersetzung mit der Bürokratie und den Behörden usw. bindet diese Ressorucen aber im aktuell bestehenden System von Hartz IV, Sozialhilfe und Co., so dass anzunehmen ist, dass diese Herausforderungen – wenn überhaupt – nur unzureichend bewältigt werden.

In wie weit sich die Leitsätze der Permakultur auch auf das BGE beziehen lassen, soll in Teil 2 dieses Beitrags geklärt werden. Ich bin optimistisch, dass ich diesen spätestens am Samstag fertig stellen kann und freue mich bis dahin schonmal auf Rückmeldungen, gerne auch konstruktive Kritik.

3 Gedanken zu “Transition Town Bewegung und Grundeinkommen, Teil 1: Prinzipien der Bewegung und erste Verknüpfung

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