Transition Town Bewegung und Grundeinkommen, Teil 3: Vielfältigkeit, Langfristigkeit und Ideen für die Umsetzung

1962725_832550070129707_2925984089898650724_nMit diesem Post möchte ich das Thema „Grundeinkommen und Transition“ theoretisch abschließen und gleichzeitig dazu einladen, das Ganze in die Praxis zu überführen. Denn heute (Details siehe Bild), darf ich das, was ich hier schriftlich verarbeite, in Kurzform (5 Minuten) mündlich präsentieren und damit für eine Transition-Gruppe Grundeinkommen motivieren.

In Teil 1 habe ich zunächst Grundsätzliches geklärt und dargelegt, dass die Bewegung ganz wesentlich zum Ziel hat, Wandel (Transition) dahingehend zu gestalten, dass ihre Städte bzw. Kommunen unabhängiger von globalen Wirtschaftsprozessen und damit widerstandsfähig (resilient) bei Störungen werden, die durch damit verbundene Rohstoffverknappung, -verteuerung usw. entstehen. Dabei soll sich auf die vor Ort befindlichen Ressourcen gestützt werden. Hierzu zählen auch die menschlichen Ressourcen, die nur vollends entfaltet werden können, wenn der Einzelne frei von existenziellen Nöten ist und sich persönlich für den Fall individueller Lebensrisiken, wie Krankheit oder Erwerbsarbeitslosigkeit, sowie Übergangsphasen, wie Kinderziehung oder berufliche Neu-/Umorientierung, abgesichert fühlt. Ein Bedigungungsloses Grundeinkommen wäre zweifelsfrei ein Mittel, dies zu gewährleisten.

Daran anknüpfend habe ich auf die Permakultur verwiesen, deren Leitsätze ganz wesentlich auch der Transition Town Bewegung zu Grunde liegen. In Teil 2 habe ich dann damit begonnen, eben diese Leitsätze auf das Grundeinkommen anzuwenden: „Kooperation statt Konkurrenz“ könnte dank Grundeinkommen deshalb entstehen, weil jeder Einzelne weniger darauf bedacht sein müsste, stets in erster Linie auf sein eigenes Auskommen und sein Überleben auf den Märkten (arbeiten, kaufen, verkaufen) der Wirtschaft zu sichern. „(Nachhaltige) Optimierung statt (kurzfristige) Maximierung“ könnte möglich werden, weil – an den Kooperationsgedanken anschließend – Nachhaltigkeit nur durch Kooperation möglich wird und demgegenüber Konkurrenz in der Regel auf kurzfristigen Erfolg abzielt und dabei der Blick auf die Umwelt, also den Menschen, die Gesellschaft und die Natur, tendentiell vernachlässigt wird. Dies ist nicht zuletzt ein Grund für den Raubbau an natürlichen Ressorucen, wie Öl, Gas oder auch Holz und die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft – beides vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern dieser Welt. Ein Grundeinkommen würde ein Leben unabhängiger von kurzfristiger Gewinnmaximierung machen – insbesondere, weil es jedem Menschen ermöglicht, selbst in das regionale und nachhaltige Wirtschaften einzugreifen, indem er 1. durch evtl. erhöhte Kaufkraft eher verantwortungsvoll konsumieren kann, und – das vor allem – 2. durch ein Mehr an Zeit und finanzieller Unabhängigkeit selbst etwas herstellen, reparieren, weiterverwerten… kann, was sich ansonsten für den Einzelnen evtl. kaum lohnen würde. Hier sei noch einmal auf Aktionsgruppen der Transition Initiaitve Bamberg wie das Repaircafé, das Upcycling oder den Umsonstladen hingewiesen.

Nun stehen noch zwei Leitsätze der Permakultur aus.

Vielfalt statt Einfalt
Es wurde (hoffentlich) bereits deutlich, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen eine ganze Reihe von sinn- und wertvollen Tätigkeiten fördern könnte, die bisher zwar durchaus auch schon in Form von Ehrenämtern, Initiativen etc. ausgeübt werden, aber eben auf Grund des Drucks, Geld verdienen zu müssen, nur in begrenztem Maße möglich sind (hierzu mehr in meiner Wissenschaftlichen Arbeit). Die bereits angesprochenen Transition-Initiativen sind hierfür ein Paradebeispiel. Ihr wollt mehr?! Da wäre das Urban Gardening: öffentlichen Raum begrünen, aber auch Gartenbau in der Stadt betreiben, und somit ein Stück Landwirtschaft in Ballungsräume holen, steht hier auf der Agenda. Da wäre das Projekt Bürgerhaus, das sich für die Schaffung eines Ortes für das Begegnen der Generationen, für nicht-kommerzielle Kunst, für Bildungsangebote und mehr – gestaltet durch die Menschen vor Ort – einsetzt. Da wäre die Gruppe „transition @ konversion“, die jüngst die Gründung einer Bürgerinitiative „Armygelände in Bürgerhände“ mit anschob. Hier wird das Ziel verfolgt, die Umwandlung des nun verlassenen US-Kasernengeländes durch die Bürger unter Berücksichtigung von ölologischen und sozialen Gesichtspunkten zu gestalten und sich damit wirtschaftlichen Profitinteressen entgegenzustellen. Auch diese Gruppen sind nur weitere Beispiele, doch sie belegen die Vielfalt des getätigten Engagements in der Bewegung. Sie belegen außerdem die ganz unterschiedlichen Interessen und auch Fähigkeiten der Menschen, die ausgelebt werden wollen. Auf dem Erwerbsarbeitsmarkt ist es in Zeiten von zunehmender Schnelllebigkeit und Flexibilisierung kaum möglich, diese Neigungen zu verwirklichen. Die Wirtschaft verlangt Anpassungsfähigkeit. Überspitzt gesagt: jeder Mensch sollte den Arbeitsplatz eines beliebigen anderen Menschen übernehmen können. Die natürliche Vielfalt der einzelnen Charaktere geht hierbei verloren. Ein Grundeinkommen könnte von diesem Anpassungsdruck befreien und ermutigen, evtl. mit insgesamt weniger Geld, dafür mit mehr Zufriedenheit mit und durch die eigenen Arbeit und deren Umfeld die Lebenszufriedenheit insgesamt zu steigern. Hier verhält es sich, wie in der Natur. Nur wo Vielfalt gegeben ist, kann gegenseitige Befruchtung stattfinden und Gesundheit eines ökologischen, bzw. sozialen Systems sichergestellt werden.

Langfristigkeit statt Kurzfristigkeit
Hierzu möchte ich gar nicht mehr allzu viele Worte verlieren. Denn die Überschneidung mit Nachhaltigkeit in Bezug auf Optimierung ist hier wohl sehr groß. Doch ein Gedanke soll hier noch Erwähnung finden bzw. verdeutlicht werden. Transition Towns wollen sich langfristig zukunftssicher machen. Auch Bürger wollen ihr Leben langfristig (materiell) absichern. So titelte die Wochenzeitung ZEIT jüngst, das Sparen sei des Deutschen stärkster Trieb. Und das obwohl Zinsen permanent fallen. Ob Trieb oder nicht; Geldanlagen bei Banken sind vor allem deshalb risikobehaftet, da sie in der Mehrzahl zur Kapitalbildung von gewinnorientierten Unternehmen beitragen. Die staatliche Kontrolle über die Geschäfte der Banken ist ein großes politisches Streitthema. Fakt ist, dass der Staat durch die Förderung von Programmen zur privaten Altersvorsorge ein großes Stück Verantwortung in private Hände gibt. Ein Grundeinkommen hingegen könnte eine Art Altersvorsorge aus direkt staatlicher Hand darstellen. Und nicht nur das. Es gibt auch langfrisitge Planungssicherheit. Sei es Familie, Beruf, Ortswechsel etc. Oder aber, wenn man so will: es gibt einem das Gefühl, nicht mehr alles planen zu müssen, weil man eben mit dem Grundeinkommen planen kann – auch wenn mal nicht alles nach Plan läuft.

Apropos „nicht nach Plan laufen“: die Transition Town Bewegung im Allgemeinen und die Transition Initiative Bamberg im Besonderen sind nicht etwa wie Verbände oder Vereine rechtlich strukturiert. Es gibt keine Hierarchien, keine festgeschriebenen Ämter etc. Mitmachen kann jeder – egal ob aktiv als Initiator oder eher passiv als Zuhörer und Unterstützer. Transition versteht sich außerdem als Netzwerk, das heißt, es werden Verknüpfungen zu bereits bestehenden Initiativen mit verwandten Zielen gesucht. Dabei kann kan problemlos zwischen den Arbeits- und Aktionsgruppen wechseln. Je nach dem, was einen momentan besonders bewegt. Und die Gruppen versuchen dann wiederum ihre Potentiale für die einzelnen Aktionen zu bündeln. Das Thema Grundeinkommen würde hier eine neue Vernetzung darstellen und da stellt sich die Frage, was man konkret tun könnte, würde sich eine entsprechende Arbeitsgruppe bilden. Das muss dann vor allem dort diskutiert werden. Dennoch habe ich natürlich bereits die ein oder andere Idee.

Zunächst die vermutlich leichter umzusetzende: Vorträge, Gesprächsrunden, Filmabende zum Thema Grundeinkommen und ähnliche öffentliche Veranstaltungen mit dem Versuch, das Thema in ein größeres Bild von einer ökologisch und sozial verantwortungsvollen Gesellschaft, wie sie Transition Towns zum Ziel haben, einzufügen. Die Postwachstumsökonomie von Niko Paech bildet bereits ein solches Bild, das es sich lohnen würde, in der Gruppe genauer anzuschauen und bekannter zu machen.

Dann die – zugegebenermaßen – noch etwas abstraktere Idee davon, eine Regionalwährung ins Leben zu rufen und mit dieser ein Grundeinkommen zu ermöglichen. In meinen Augen wäre das Transition in Reinform. Regionales Wirtschaften, auf Grund der räumlichen Nähe größere Einflussmöglichkeiten auf Produktion und Handel, daraus folgend die Chance höherer sozialer und ökologischer Verantwortung im Wirtschaften und das für jeden Menschen in gleichem Maße. Bedingungslos. Einen entsprechenden Entwurf gibt es mit dem Netzwerk BGE-Kreise sogar schon. Ich selbst muss mich damit noch intensiver auseinandersetzen, doch spannend ist die Idee allemal. Zudem sind Regionalwährungen fester Bestandteil diverser Transition-Initiativen und auch deshalb Grund genug diskutiert zu werden.

Ich bin auf jeden Fall extrem gespannt, was daraus wird. Nun, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags ist es schon recht spät. Aber vielleicht liest ihn ja dennoch noch die eine oder der andere Bamberger Interessierte und schaut heute Abend vorbei, um sich zu beteiligen, einfach nur zuzuhören, oder Bedenken anzubringen. Ich freu mich drauf!

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