Free Lunch Society – eine Bamberger Filmkritik

poster_zoomAm 1. Februar feierte „Free Lunch Society„, ein Dokumentarfilm über die Perspektiven eines Bedingungslosen Grundeinkommens, Kino-Premiere. Auch das Bamberger Lichtspiel, bekannt und geschätzt für politisches Kino, zeigte den Film des Österreichers Christian Tod. Am Premieren-Mittwoch fand en über 40 Interessierte den Weg in den gemütlichen Kinosaal, bei der Wiederholung am Donnerstag noch immerhin 22. Bedenkt man dabei die ungewöhnliche Anfangszeit von 18:30 Uhr sind das zumindest respektable Zahlen für einen zugegebenermaßen nicht massentauglichen Film. Laut Kinobetreiber war die Grundstimmung unter den Besuchern positiv. „Free Lunch Society“ sei sehenswert, da er zum Nachdenken und zur Diskussion anregen würde, so der Tenor des Publikums. Natürlich waren auch Aktivisten aus der Grundeinkommensbewegung vor Ort. Bamberger trafen und vernetzten sich mit Aktiven aus Coburg und Kronach und kamen nach dem Film mit weiteren Kinobesuchern zusammen, um Film und Thema intensiv zu diskutieren.

Im Folgenden einige Statements aus der Gesprächsrunde.

Und übrigens: im April möchte die Bamberger Transition-Initiative den Film noch einmal zeigen und anschließend eine Podiumsdiskussion über das Bedingungslose Grundeinkommen veranstalten. Wenn ein genauer Termin feststeht, wird er hier und auf Facebook umgehend bekannt gegeben.

Stimmen zum Film:

Marco:

Der Film „Free Lunch Society“ bietet allen, die sich noch nicht zu tief mit dem Thema befasst haben einen Einblick in verschiedene Ansätze und Ideen zum Grundeinkommen in verschiedenen Ländern. Besonders gut gelungen ist es, die üblichen Bedenken zum Grundeinkommen und welche Konsequenzen dessen Einführung haben könnte, etwas zu zerstreuen.
Wer allerdings tiefer gehende Erklärungen zur Finanzierung oder kritische Stimmen erwartet, wird enttäuscht. Der Film möchte einen Überblick geben und mit einer positiven Grundstimmung informieren.

Monika:

Grundsätzlich hat der Film gute ehrliche Statements zum MenschSein und warum überhaupt ein Grundeinkommen als Kulturgedanke Thema ist. Dabei denke ich an Michael Bohmeyer, der es wirklich verständlich auf den Punkt bringt. Daniel Häni bringt anderes Denken rein und auch Götz Werner in seiner Art kommt letztendlich humorig knorrig rüber. Das Nette daran ist, dass es nicht nur ältere Menschen sind, die ein Grundeinkommen befürworten, sondern alle Altersgruppen daran beteiligt sind.

Der Film dient bestimmt nicht dazu, Möglichkeiten der Umsetzung und Einführung von Grundeinkommen aufzuzeigen. Aber: Grundeinkommen und damit auch der Film spricht uns Menschen im Inneren an und das ist wichtig. Weil wir dadurch etwas aufgerüttelt werden aus der Bequemlichkeit oder dem Wohlfühlmodus und dem „es ist doch alles gut so“. Ich denke, mithilfe des Films ist es besser möglich, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Dem Film als solches fehlen bei den englisch-sprechenden Personen die deutschen Untertitel. Für „alte Hasen“ der Grundeinkommens-Szene bietet der Film wenig Neues. Aber es geht letztendlich immer noch darum, das Thema zu den Bürgern zu bringen und darüber ins Gespäch zu kommen.
Hinrich:
Ich fand den Film informativ, aber nicht aufrüttelnd. Die Zielgruppe waren wohl Leute, die schon vom Grundeinkommen gehört haben. Für Neulinge waren die einzelnen Informationen oft zu knapp und zu zerschnipselt. Für Insider war wenig neues dabei, manche Informationen waren sogar überholt, z.B. die Rabattkarten von MeinGrundeinkommen, die von den betroffenen Ladenketten wieder gestoppt wurden, so viel ich weiss.
Lorenz:
„Free Lunch Society“ ist kein Film, den man mal so eben im Vorbeigehen konsumieren kann. Er verlangt dem Zuschauer Mitdenken ab und mutet ihm etliche englischsprache, nicht übersetzte Passagen z, wartet dafür aber mit vielen wertvollen Statements von Wissenschaftlern, Aktivisten, aber auch gewöhnlicher Menschen auf und – das war für mich persönlich der interessanteste Teil des Films – noch nicht da gewesenen Einblicken in Modellprojekte zum Grundeinkommen und BGE-ähnlichen Instrumenten, wie dem Alaska Permanent Fund, auf. Besonders geeignet ist der Film wohl für Menschen, die sich vorab schon ein wenig mit den Grundzügen der Idee des Grundeinkommens befasst haben und nun Lust auf Mehr haben. Apropos „Mehr“: Michael Bohmeyer von MeinGrundeinkommen bringt es im Film auf den Punkt: zu sagen, es gehe uns doch eigentlich ganz okay – wozu dann ein BGE? – zeigt, wie wenig wir uns als Menschen wertschätzen. „Okay“ ist nicht okay! Gönnen wir uns also ruhig mehr! Menschenwürde, Grundeinkommen! Das blieb hängen.

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