Wissenschaftliche Arbeit

Das Bedingungslose Grundeinkommen – Konsequenzen für Arbeit, Berufswahl und Bildung

In einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit im Rahmen des Lehramtsstudiums für berufliche Schulen fragte ich nach möglichen Konsequenzen des BGE für Arbeit, Berufswahl und Bildung. Der Fokus lag dabei auf dem Bereich der Berufswahl. 16 Personen im Alter zwischen 14 und 40 Jahren mit verschiedensten Bildungskarrieren befragte ich im Winter 2013/14 zu ihrer Berufswahl und wollte dabei die Potenziale des Grundeinkommens ausloten, ohne die Gesprächspartner vorher mit diesem unbekannten oder eventuell bereits besetzten Begriff zu konfrontieren. Um möglichst unvoreingenommenes Antworten zu ermöglichen, versetzte ich die Befragten in ein Lotto-Szenario:

Stell dir vor, du gewinnst im Lotto und kriegst den Gewinn nicht auf einmal ausgezahlt, sondern bekommst jeden Monat 1000 Euro (je nach Umfeld/Wohnort auch mehr oder weniger) auf dein Konto überwiesen. Du hättest also ein sicheres Einkommen, für das du nicht arbeiten müsstest. Womit würdest du dann deine Zeit verbringen?

Selbstverständlich sind die Ergebnisse nicht repräsentativ. Doch sie lassen erahnen, welch positive Dynamik die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens zur Folge hätte. Deutlich wurde beispielsweise, dass die Neigungsorientierung bei der Berufswahl eine größere Rolle spielen würde, diese sich aber auf ganz unterschiedliche Art und Weise ausdrücken kann.

In einem Aufsatz für das Netzwerk Grundeinkommen habe ich zentrale Erkenntnisse aus den Interviews dargestellt. Hier geht es zum Artikel.


Daten, Fakten und Download der gesamten Arbeit:

Art der Arbeit: Schriftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung (Zulassungsarbeit)
Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Betreuung: PD Dr. Fritz Reheis, Selbstständiger Fachvertreter für Didaktik der Sozialkunde
Studiengang: Lehramt für berufliche Schulen, Fachrichtung Sozialpädagogik
Fertigstellung: 1. April 2014
Benotung: sehr gut
Download der gesamten Arbeit

Ganz grob zum Inhalt:

Schwerpunkt ist die Beantwortung der Frage, wie sich die Berufswahl durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen verändern könnte. Ich behaupte, die Menschen würden eher einen Beruf ergreifen, der ihren Interessen, Fähigkeiten und Talenten entspricht und weniger auf Faktoren wie Verdienst, Jobsicherheit, Aufstiegschancen etc. achten. Diese Hypothese überprüfe ich mit Hilfe von Leitfadeninteriews.

Neben der individuellen Berufswahl wird das BGE außerdem hinsichtlich seiner Chancen für die Gesellschaft in Bezug auf Arbeit untersucht – Stichwort Tätigkeitsgesellschaft.

Zuvor stelle ich aber dar, was das Bedinungslose Grundeinkommen überhaupt ist, welche lange Geschichte diese sozialreformerische Idee bereits hat, welche Konzepte zur Umsetzung es gibt und welche Argumente Befürworter und Gegner hervorbringen.

Im letzten Kapitel widme ich mich dem Thema Bildung, Berufsorientierung und Bildungssystem. Auch hier werden zunächst die relevanten Begriffe geklärt, bevor der Bezu zum BGE hergestellt wird: auf den Ebenen des Begriffsverständnisses, des Bildungssystems und der individuellen Bildungschancen untersuche ich, was durch das Bedingungslose Grundeinkommen möglich und nötig würde.

 

 

10 Gedanken zu “Wissenschaftliche Arbeit

  1. Es es kann eben nicht jeder das arbeiten, was es will. Letztendlich kommt es, da man ja auch selbst nicht das nur haben möchte, worauf andere gerader Lust haben, es zu leisten, sondern man das haben möchte, was man benötigt, dass man das leistet, was benötigt wird.

    Es bringt wenig, wenn jeder das macht, wozu er Lust hat, und niemand ist mehr bereit ist, öffentliche Gebäude, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Warenhäuser, Büros, Einkauftempel, Züge, Autobahnraststätten, inklusive der dortigen Toiletten zu reinigen.

    Gebäude zu reinigen, ist genau so ein Beruf, den man nur ausübt, weil man für bessere Arbeit nicht qualifiziert ist, und daher keine andere Arbeit findet. Jeder, der beruflich öffentliche Toiletten schrubbt, würde etwas anderes tun, wenn er die Gelegenheit hätte.

    Aber war würde passieren? Nehmen wir eine Leistungskette vom Bauern bis zum heimischen Teller.

    Der Bauer züchtet Schweine und macht das, weil ihm die Arbeit in der Natur spaß mach, auch mit BGE. Oder auch Hühner oder Rinder

    Schweine zu schlachten (töten, oder Hühner und Rinder, sind sicher nur für wenige, wirklich so lustvolle Arbeiten, dass sie diese auch mit BGE durchführen würden. Und selbst wenn, würde das nichts bringen, wenn niemand die Schlachterei hygienisch reinigt.

    Die Leistungskette
    1. Bauer
    2. Fahrer in die Schlachterei
    3. Angestellter in der Schlachterei
    4. Reinigungskraft in der Schlachterei
    5. Fahrer zum Supermarkt
    6. Angestellter im Supermarkt, um die Ware in die Tiefkühltruhe zu legen und den Verkauf organisieren
    7. Reinigungskraft, die den Supermarkt reinigt.

    Und noch einige Kettenglieder mehr, da dort sicher tätig sind, müssen lückenlos funktionieren.

    Fällt nur ein einziges Glied in der Kette, und dabei ist es egal, welches Glied in der Kette, können alle anderen in der Leistungskette die Arbeit einstellen, das ihre Arbeit überflüssig ist.

    Wer will noch Zug fahren, wenn der Zug, inklusive der Toiletten nicht gereinigt wird. Wer will noch auf einem Autobahnrastplatz rast machen – und dort auch mal auf Toilette gehen, wenn dieser Rastplatz, inklusive der Toiletten nicht gereinigt wird. Wer will seine Kinder noch in den Kindergarten schicken, in die Schule, wer würde noch in eine Arztpraxis gehen, oder sich in einem Krankenhaus auf einen OP-Tisch legen?

    Zu glauben, dass Leben ist ein Freizeitevent, in dem man lebensnotwendige Dinge so bekommen kann, ohne dass jemand verpflichtet ist, diese lebensnotwendigen Dinge zu schaffen, ist eine Illusion.
    Wenn ich das einklagbare Recht habe, ein BGE zu bekommen, muss jemand zwangsweise die einklagbare Pflicht haben, das BGE zu erschaffen. Läuft das nur auf reiner Freiwilligkeit ab, kann ich kein einklagbares Recht bekommen.

    Nehme ich mir das Recht heraus, im Zug (neben dem sauberen Zug selbst) eine saubere Toilette zu haben, muss jemand verpflichtet sein, diese zu reinigen. Oder glaubt jemand, dass es genug Leute geben wird, die beim Toiletten reinigen einen Orgasmus bekommen würden, und die sich daher regelmäßig, mit Klobürste und Reinigungsmittel, auf die öffentlichen Toiletten stürzt, um sie zu reinigen?

    Selbs wenn eine Gruppe auf eine einsame Insel verschlagen wird, wird nicht jeder die Freiheit haben, dass zu machen, was ihm am meisten Spaß bringt. Jeder wird von der Gruppe angehalten werden, das zu tun, was der Gruppe dort am meisten bringt. Und derjenige, der kein Talent hat, sich richtig einzubringen, wird derjenige sein, der, ob er nun Lust hat oder nicht, die Latrine bauen wird und sie in Schuss zu halten hat. Weigert er sich, werden auch die anderen sich weigern, ihn an ihrer Leistung mit partizipieren zu lassen.

    Und auch jemand, der ganz alleine auf einer Insel landet, wird nicht frei sein. Sein Magen, Hunger und Durst, wird ihm da einen Strich durch die Rechnung machen. Er wird das tun müssen, was sein Körper ihm vorgibt.

  2. Das ist absoluter Quatsch. Das ist reines Wunschdenken. Wieder nur eine Behauptung, die

    Wenn man in 6 Monaten Toiletten schrubben so viel Geld verdienen können, dass sie die zweite Hälfte auf den Bahamas in der Sonne liegen können, hätten wir Probleme noch genügend Auszubildende für Facharbeiter zu bekommen. Sollte man dann auch da entsprechen die Ausbildungsvergütungen angleichen wollen, sodass ein Putzjob nicht mehr attraktiv wäre, würden man in kürzester Zeit eine Preissteigerungsspirale ins Gang setzen, die schon, die das Vertrauen in die Währung zerstören würde.

    Schon die zehnjährigen würden sich sagen: Warum soll ich noch in der Schule lernen, wenn ich mit 6 Monaten Toiletten schrubben im Jahr, das Geld bekomme, um 6 Monate auf den Bahamas am Strand liegen zu können, oder sonstige Reise machen kann. Oder glaubt jemand wirklich, dass die meisten Zehnjährige schon so vernünftig sind, dass Sie sich sagen: Ich will mal Facharbeiter in der Elektrotechnik werden, also passe ich in der Schule auf und lerne fleißig.

    Wenn der Wert der Leistung nicht mehr nach dem Einsatz der Ausbildung berechnet wird, haben wir bald nur noch ungelernte im Lande.

    Man kann es drehen wie man, wir bekommen mit einem BGE in jeder Hinsicht ein Chaos, dass nur zu einem gesellschaftlichen Zusammenbruch führen kann.

    • Nich weniger Naiv dein Argument 😉
      Auch wenn du dir es nich vorstellen kannst,
      Ich und 90% meiner Freunde und Bekannten Arbeiten NICHT des Geldes wegen!
      Sprich 6 Monate auf den Bahamas chillen ist nicht grad ein erstebenswertes Ziel.
      Vor allem nicht wenn ich dafür 6 Monate vorher unglücklich ein Muss da mein Job zum Kotzen is.

      P.S. Ich habe mehrere Handwerksberufe gelernt. Der Wert der Leistung wird in Deutschland
      NICHT an EInsatz der Ausbildung gemesse!
      Schau dir mal an WER Wieviel verdient und du wirst erkennen müssen das man
      für qualifizierte Ausbildung/Arbeit nicht gerade den Spitzensatz bekommt 😉

  3. Pingback: In Bälde: Politische Philosophie begehbar machen | begehbar

  4. Pingback: Transition Town Bewegung und Grundeinkommen, Teil 2: Kooperation und nachhaltige Optimierung dank BGE | begehbar

  5. Pingback: Transition Town Bewegung und Grundeinkommen, Teil 3: Vielfältigkeit, Langfristigkeit und Ideen für die Umsetzung | begehbar

  6. Pingback: Entschleunigung und Zeitwohlstand durch BGE – Fritz Reheis im Fränkischen Tag | begehbar

  7. Pingback: Einsteigervortrag am 13. Mai: Kulturimpuls Grundeinkommen | begehbar

  8. Pingback: BGE als Demokratieimpuls – Widerständiges Verhalten dank bedingungsloser Existenzsicherung | begehbar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s