Rückblick: Treffen im Juli – Schwerpunkt Regionalgeld

Die Sommerpause ist vorbei. Zeit, auf das letzte Treffen im Juli zurück zu blicken, die Erinnerungen an das Schwerpunktthema Regionalgeld aufzufrischen und an die vielen Ideen anzuknüpfen. Denn es war das bisher längste und wohl auch intensivste seit Bestehen der Bamberger BGE-Initiative.

Das Thema bewegte die Gruppe schon bei ihrem Gründungstreffen Anfang des Jahres. Das überrascht nicht. Schließlich ist sie aus der Transition-Initiative hervorgegangen, die sich zum Auftrag gemacht hat, den gesellschaftlichen Wandel praktisch selbst herbeizuführen. Eine Regionalwährung bietet in Bezug auf ein Grundeinkommen genau diese Möglichkeit: verfügt eine Gemeinschaft hoheitlich über ihr eigenes Tausch-/Bezahlmittel, kann es auch selbst die Verteilung regeln. Die Auszahlung eines voerst zumindest kleinen und noch nicht bedingungslosen Grundeinkommens wäre also mit einer solchen Komplementärwährung möglich.

Christina, Gast der Initiative, hielt ein sehr ansprechendes Referat über die Grundlagen des Regionalgeldes, wobei sie zum Einstieg einen Film über das aktuell existierende globale Geldsystem zeigte:

Die überspitzte aber im Kern dennoch wahre Botschaft: wer in diesem System Geld hat, ist glücklich. Wer aber keines hat, ist Zeit seines Lebens (vergeblich) damit beschäftigt, diesen Mangel auszugleichen, indem er immer zu gegen die sich auftürmenden Schulden aus Zinsen und Zinseszinsen kämpft. In diesem Fall hat man wohl nicht ausreichend Ressourcen zur Verfügung, um gegen das System anzugehen. Laut einer Studie der Bertelsmannstiftung wünschen sich 88% der Deutschen ein anderes Wirtschafts- und Finanzsystem. Diese Zahl verdeutlicht die Verteilung der Menschen auf die Pole „reich und glücklich“ bzw. „arm und beschäftigt“.

Eine Alternative wäre ein nachhaltiges Finanzsystem, welches sicherstellt, dass Geld nicht gehortet werden kann, sondern entweder mit der Zeit seinen Wert verliert oder permanent im Umflauf ist und somit nicht künstlich verknappt werden kann. Mit der Idee des Regionalgelds begründete Silvio Gesell Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert ein solches so genanntes Freigeldsystem.

Dabei wird eine regionale Währung immer ergänzend zum globalen System gedacht. Denn die Vielfalt der Währungen ermöglicht es auch, Schwankungen auszugleichen. Daraus folgt, dass vollständige Autarkie ausgeschlossen ist, diese heutzutage aber auch nicht erstrebenswert scheint. Dennoch ist es wichtig, das das Regionalgeld nur innerhalb der Grenzen eines gewissen Identifikationsgebiets gilt. Städte- und Landkreisgrenzen sind hier nahe liegend. Es können aber auch selbst gewählte Trennlinien sein.

Alle weiteren Informationen zum Thema sind der hier zum Download bereit stehenden Präsentation, insbesondere ab Seite 12, zu entnehmen: Folien Regionalgeld

Aktuell gibt es deutschlandweit bereits 26 Regiogeld-Initiativen – die wohl bekannteste ist der „Chiemgauer“ -, 34 weitere sind in Planung. Alle Anwesenden waren sich einig: so etwas auch für Bamberg auf den Weg zu bringen, wäre ein spannendes Projekt. So wurden in Folge des Referats bereits reichlich Ideen und Ansatzpunkte gesammelt. Mögliche Partner wurden diskutiert und damit bereits die so wichtig erscheinende Vernetzung angegangen. Auch die Idee eines Planspiels stand im Raum. Zu einem konkreten Ergebnis kam man zu später Stunde aber nicht mehr. Klar war nur, dass auch das nächste Treffen der Idee des Regionalgelds gelten soll. Dann will man aber konkreter werden und erste Maßnahmen ergreifen, um auszuloten, wie realistisch die Einführung einer Bamberger Regionalwährung tatsächlich ist. Denn auch das wurde in Christinas Referat deutlich: für die Umsetzung bedarf es reichlich engagierter Köpfe, viel Zeit und einen langen Atem.

Nachtrag: Beim Spinnen über eine mögliche Bamberger Regionalwährung kommt man natürlich zwangsläufig recht schnell auf den Namen Regnitz-Taler. Dieser ist aber bereits vergeben. Die Heldschen Apotheken nennen so ihr Bonusprogramm. Beim Einkauf in einer der vier Filialen bekommt man unter bestimmten Voraussetzungen Taler gut geschrieben, die man nicht nur dort selbst einlösen kann, sondern auch bei einer Vielzahl anderer Händler und Gastronomen – darunter kaum überregionale Ketten. Dadurch nähert sich der Regnitz-Taler schon sehr an das Konzept der Regionalwährung an: die schon recht große Akzeptanz als Zahlungsmittel und das Potential dadurch die heimische Wirtschaft zu stärken. Für Menschen, die der Idee des Regionalgelds gegenüber offen und aufgeschlossen sind, könnte der Regnitz-Taler daher ein erstes interessantes Experimentierfeld sein.

Die wichtigsten Informationen gibt es im bearbeiten Flyer der Heldschen Apotheken auf einem Blick: https://bgeba.files.wordpress.com/2015/09/regnitz-taler.png

Inwieweit der Regnitz-Taler auch für unsere Initiative anschlussfähig sein könnte, wäre ein möglicher Diskussionspunkt für das nächste Treffen.

2 Gedanken zu “Rückblick: Treffen im Juli – Schwerpunkt Regionalgeld

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